Die Bedeutung von Totholz für die Biodiversität
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    Die Bedeutung von Totholz für die Biodiversität

    Warum sind verschiedene Stufen von absterbendem Holz so wichtig für Wälder, Parks und Gärten und unabdingbar für die Biodiversität der Tier- und Pflanzenwelt? Können Menschen durch das Belassen von altem Holz Wälder, Pärke und Gärten für Pflanzen und Tiere aufwerten?

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    09/05/2024Von Elise Maria Keller Boehm
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    Der Aufbau eines gesunden Waldes

    Wenn man sich einen Wald vorstellt, dann fällt einem als erstes wahrscheinlich eine Ansammlung von Bäumen ein. Ein gesundes Wald-Ökosystem jedoch besteht aus viel mehr als „nur“ lebenden Bäumen. Ein gesunder Wald besteht aus einer großen Menge an Holz in verschiedenen Phasen des Zerfalls. Gerade umgestürzte Bäume, Baumstümpfe, abgebrochene Äste, die langsam zerfallen und Totholz, welches durchdrungen wird von Pilzen, Flechten, Pflanzen und vielen Tieren. Neben Würmern und Schnecken gehören auch viele Insekten zu den Tieren, die altes und totes Holz schätzen. Als Refugium während des Winters, als Lebensgrundlage, als Ablageort für die Brut oder einfach als Versteck oder Behausung. Doch auch für die Bäume selbst ist die Anwesenheit von verrottendem Holz immens wichtig, da die dadurch begünstigte Diversität von Pilzen die Eigenschaften des Bodens als Stickstoffquelle für Pflanzen und Bäume stärkt.

    Baumstamm

    Lebensräume verschiedener Insekten

    Gerade Insekten wie der Hirschkäfer oder die Blauschwarze Honigbienen benötigen unbedingt altes und abgestorbenes Holz und können ohne es kaum sein. Allein in Mitteleuropa gibt es über 1700 Käferarten die während einer ihrer Lebensphasen (also nicht nur als adulter Käfer) vom Totholz abhängig sind. Einer der vielleicht bekanntesten Käfer, der Hirschkäfer (Lucanus cervus), ist für seine Eierablage von Totholz abhängig - er bevorzugt alte Baumstümpfe, in welchen er die Eier ablegen kann. Die Larven entwickeln sich dann optimal in den Stümpfen, da diese sehr stark von Pilzen zersetzt sind. Ein anderes Beispiel ist die eindrückliche Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea). Im Gegensatz zum Hirschkäfer bevorzugt sie sehr trockenes Totholz, da sie dort hinein ihre Niströhren nagen kann.

    Holzbiene
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    Die Nutzung von Wäldern und die Folgen für das Ökosystem

    Auch wenn Totholz so erscheint, als biete es “nur” für Pilze, Flechten, Pflanzen und kleinere Tiere ein Refugium, so muss doch seine Funktion für das gesamte Ökosystem betrachten. Wird Holz zu zeitig aus dem Wald entnommen, verkürzt sich der Waldentwicklungszyklus und dies bringt immense Folgen für seine Funktion als Ökosystem. Nicht alle von altem und totem Holz abhängigen Tiere sind in der Lage sich schnell anzupassen – vielen hochspezialisierten Arten fehlt ohne altes und totes Holz schlicht die Lebensgrundlage. Alle Pflanzen und Tiere, die wiederum von diesen Arten abhängig sind, werden nachfolgend auch in Mitleidenschaft gezogen. Da alte Bäume für eine so grosse Menge von Pflanzen, Pilzen und Tieren und eine Sukzession von Arten den Hauptlebensraum bilden, spricht man von der Notwendigkeit von “Habitatbäumen”. Die Vernetzung solcher alten Bäume, absterbendem und totem Holz bildet die Grundlage für ein gesundes Wald-Ökosystem.

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    Was möchte modernes Land- und Waldmanagement verbessern?

    Wie vorher beschrieben ist das Zeil des modernen Waldmanagement Habitatbäume und die Vernetzung von junge und alten Bäumen und Totholz ausreichend gut zu erhalten. Der Fokus auf Habitatbäume hat dazu geführt, dass nicht du diese Bäume und ihr Mikrohabitat studiert wird sondern, dass man diese nicht nur in Zusammenhang mit dem Waldökosystem betrachtet. In Europa hat es auch viele dieser alten Bäume in alten Plantagen, in Pärken, aber auch in land- und forstwirtschaftlich genutzten Gebieten. Somit ist der Erhalt von alten Bäumen und totem Holz inzwischen auch mit Aufgabe von Land- und Forstwirten, Parkmanagern und in Städten und Gärten auch eine Möglichkeit für Gartenbesitzer zur Biodiversität und dem erhalt totholzabhängiger Arten beizutragen.

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    Im Garten mit altem oder totem Holz der Natur helfen

    Im Garten ist neben dem Erhalt alter Bäume und dem Liegenlassen von totem Holz noch einiges mehr möglich. Beispielsweise sind Baumstümpfe ein hervorragender Ort für Pilze, Moose und Flechten, die sich gern darauf ansiedeln. Wer totes Holz in seinem behalten, aber den Garten geordnet gestalten will, kann alte Äste zum Teil in den Boden eingraben, als Stumpfersatz, gefallene Äste kann man gut stapeln – so dienen sie als Lebensraum für viele Insektenarten, wie beispielsweise für Holzbienen. Wenn man diese Stapel in der Nähe von Blühpflanzen, die Nektar liefern aufstellt, so kreiert man einen noch besseren Ort für Bienen und Hummeln, aber auch einige Käferarten. Auch Holzzäune sind eine sinnvolle Maßnahme, um alte Äste "aufzuräumen”, ohne dass sie für die Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum verloren gehen.

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    Auch Kommunen und Städte können aktiv werden

    Wälder oder waldähnliche Flächen in Städten, wie Pärke und Stadtforste, sind Flächen, die meist weniger intensiv bewirtschaftet werden. Somit haben Pärke das Potenzial nicht nur zur Biodiversität in der Stadt beizutragen, sondern auch ein der der Vernetzung von Habitaten von Vorteil zu sein. Städtische Wälder haben gemäß einer Studie, die im Fachjournal “Landscape and urban planning” publiziert wurde, eine reiche Struktur an lebenden Bäumen in verschiedenen Stufen des Lebenszyklus. Städtische Wälder wieder zusätzlich eine größere Menge an Totholz auf als bewirtschaftete Wälder, aber weniger als ehemals genutzte Wälder, die unter Naturschutz gestellt wurden. Die Quintessenz der Studie ist, dass das Management von städtischen Wäldern, wenn auf den natürlichen Lebenszyklus der Bäume und weiterhin das Belassen von umgefallenen und Totholz geachtet wird, seinen Wert für die Biodiversität erhalten oder sogar verbessern kann.

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    09/05/2024Von Elise Maria Keller Boehm
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